Gemeindefahrt


Rückblick Studienreise "Perlen der Backsteingotik"
2.-8.11.2013

„Die Welt ist ein Buch; wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Unter diesem Weisheitsmotto des Kirchenvaters Augustin luden Dekanatsbildungsreferent Axel Guse und Pfarrer Tobias Kraft zu einer Studienreise nach Mecklenburg-Vorpommern auf den historischen Spuren zu den schönsten Zeugen gotischer Baukunst ein. Das Ziel hatte nicht nur etwas mit dem einzigartigen Reiz zu tun, der von den Backsteinbasiliken Norddeutschlands ausgeht, sondern auch eine persönliche Note: Für Axel Guse sollte es die letzte Studienreise vor Beginn seines Ruhestands sein. Deshalb bot es sich an, Richtung Pommern aufzubrechen, wo seine Vorfahren herstammten.

Mit 45 Teilnehmenden steuerte die Reisegruppe in einem bequemen Bus der Fa. Kuhnert ("Rheinhessenperle") als erstes Ziel die altehrwürdige Hansestadt Rostock an. Die Fahrt verlief staufrei, so dass schon am frühen Abend das Hotel „Am Hopfenmarkt“ inmitten des Stadtzentrums bezogen werden konnte und wo das Abendessen im Hopfenkeller mit seinem urigen Ambiente schon vorbereitet war.

Für Sonntagmorgen stand ein Gottesdienstbesuch in der gotischen Marienkirche auf dem Programm. Von dort aus schloss sich die Stadtführung an: Zunächst die Marienkirche selbst mit einer der ältesten astronomischen Uhren der Welt in ihren Mauern. "Man kann nur staunen", stand Mitfahrer Armin Grohs ehrfurchtvoll vor diesem mechanischen Wunderwerk. Anschließend brachte Reiseführerin Frau Weitzel der Gruppe die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt näher: Der Neue Markt mit typischen Giebelhäusern, die besondere Architektur des Rathauses bis hin zur Stadtbefestigung und dem Universitätsplatz.
Den Nachmittag zur freien Verfügung nutzten bei sonnigem Wetter viele zu einer Fahrt mit der S-Bahn nach Warnemünde, um sich die Ostseeluft um die Nase wehen zu lassen.

Als ein Highlight der Backsteinkunst gilt sicherlich das Münster von Bad Doberan, das am folgenden Tag auf dem Besichtigungsprogramm stand. Die Ausstattungen von höchster künstlerischer Qualität beeindruckten die Besucher. „So gewaltig hätte ich mir diese Backsteinkirchen nicht vorgestellt“, bemerkte ergriffen Reiseteilnehmer Helmut Steuerwald. Leider hörte an diesem Tag der Regen nur sporadisch auf, dennoch befuhr Reiseleiterin Weitzel die Strecke nach Wismar nicht ohne einen Abstecher nach Heiligendamm, dem mondänen Ostseebad. Trotz weiteren Niederschlags zeigte sich die einst berühmte und mächtige Hansestadt Wismar als Kleinod mittelalterlicher Baukunst. Die Stadtbesichtigung führte zum 80 m hohen Turm der ehemaligen Marienkirche. Hier erwartete die Gruppe eine spannende 3-D-Animation über den Bau mittelalterlicher Kathedralen. "Wahnsinn, welche Mühen hinter solch einem Bau stecken!", bemerkte Hans Guth. Weiter führte der Weg zur benachbarten hochgotischen St. Georgenkirche, die Dank eines europäischen Wiederaufbauprogramms nach der Wende ihre wuchtige Eleganz in wunderbarer Weise wiedergefunden hat. Auf dem Rückweg zum Markplatz mit dem Rathaus und dem „Alten Schweden“ (ältestes Bürgerhaus in Wismar) besichtigte man auch die Hl.-Geist-Kirche, der früher ein Armen-Spital angegliedert war.

Von Rostock aus startete die Fahrt anderentags nach Güstrow. Hier wandelte man zunächst auf den Spuren des Künstlers Ernst Barlach in der „Barlach-Gedenkstätte“. „Die Kunst Ernst Barlachs spricht mich immer wieder in besonderer Weise an“, verriet Mitfahrerin Brigitte Schütze. Vor der Mittagspause schloss sich die Besichtigung des gotischen Backsteindomes St. Marien an, nicht nur eine der großartigsten Bauten der deutschen Backsteingotik, sondern bekannt auch durch Barlachs „Schwebender Engel“. Nachmittags ging es durch die „Mecklenburgische Schweiz“ zu der einst mächtigen Zisterzienserkloster- und Schlossanlage in Dargun. Die beiden Damen Elvira Steinmüller und Katharina Härtel wagten zusammen mit Pfarrer Kraft sogar eine Turm- und Dachbesteigung mit einem tollen Rundblick über die Landschaft rund um das Kloster. Beeindruckt kehrte die Reisegesellschaft am Abend nach Rostock zurück.

Eine weitere Perle der Bachsteingotik steuerte man am fünften Tag der Reise mit Stralsund an. Vor dem Stadtrundgang im mittelalterlichen Stadtkern (Welterbe der UNESCO) dirigierte Reiseführerin Weitzel den Bus über die neue Rügenbrücke, eine beachtenswerte Hängebrückenkonstruktion, von wo einem die Stadt Stralsund als „Backsteinkönigin“ zu Füßen liegt. Das Wahrzeichen der Stadt, das Rathaus, war Ausgangspunkt für weitere Besichtigungen unter dem Motto „1 Ausflug – 1.000 Eindrücke“. Ein Schwerpunkt bildete dabei die benachbarte gotische Kirche St. Nikolai mit ihrer sehenswerten künstlerisch wertvollen Innenausstattung. Für die ebenso gotische Kirche St. Marien reichte es nur zu einer Stippvisite, da auf der Rückfahrt noch ein Besuch im niederdeutschen Bibelzentrum St. Jürgen in Barth geplant war. Hier tauchten die Reiseteilnehmer mittels einer sehr inhaltsreichen Führung in die Welt der Bibel allgemein und speziell der ersten norddeutschen gedruckten Bibel in deutscher Sprache ein. Leider legte sich schon die Abenddämmerung über das Land, als der Bus die Rückfahrt über das Fischland und die Halbinsel Darst antrat.

Nach Verladen des Gepäcks am darauf folgenden Morgen in den Bus führte der Weg zunächst nach Dobbertin. Mittels einer örtlichen Führung erkundete man das ehemalige Benediktinerinnenkloster, welches zu einem der schönsten noch erhaltenen Klosteranlagen Mecklenburgs zählt (heute ein Diakoniewerk). Nicht nur die baulichen Anlagen hatten es den Besuchern angetan, sondern auch die wunderschöne landschaftliche Lage direkt an einem Seeufer. „Die Mönche wussten, wo es schön ist“, brachte es Helga Ehrhardt auf den Punkt.
Die Weiterfahrt führte zum letzten Ziel der Reise, die Landeshauptstadt Schwerin. Einer Führung im Dom mit dem höchsten Kirchturm Mecklenburgs, der beeindruckenden Ladegastorgel und dem ausdrucksstarken Kreuzaltar folgte die Stadtbesichtigung der historischen Altstadt mit dem Rathaus am Markt, dem Mecklenburgischen Staatstheater und vorbei am berühmten Schweriner Schloss, auf einer Insel inmitten des Schweriner Sees gelegen, einst Residenz der mecklenburgischen Herzöge, heute Sitz des Landtags.
Die letzte Übernachtung erfolgte im Intercity-Hotel zu Schwerin, nahe des Hauptbahnhofes, bevor am nächsten Tag die Rückreise nach Rheinhessen anstand.

Voller neuer faszinierender Eindrücke erreichten alle Fahrtteilnehmer am Abend wohlbehalten ihr Zuhause.


Rückblick Studienreise „Auf den Spuren Martin Luthers“
18. -23. März 2012

„Reisen bildet.“ – Dieser Erkenntnis des Dichters Jean Paul konnten die 43 Teilnehmenden einer Studienreise „Auf den Spuren Martin Luthers“ nur zustimmen. Die Lutherdekade zum Jubiläumsjahr der Reformation auf 2017 hin veranlassten Dekanatsbildungsreferent Axel Guse und Pfarrer Tobias Kraft gemeinsam diese sechstägige Fahrt zu den wichtigsten Luthergedenkstätten auszuschreiben. Voller staunender Eindrücke über die geschichtsträchtige Atmosphäre der verschiedenen Orte kehrte die Reisegruppe zurück.
Erstes Reiseziel war Marburg, wo im hessisch-landgräflichen Schloss 1529 das wichtige Religionsgespräch der Reformatoren über das Verständnis des Abendmahls abgehalten wurde. Doch auch die Hl. Elisabeth war Thema der Besichtigungen in der Universitätsstadt. „Der Schrein der Hl. Elisabeth hat eine ungeheure Ausstrahlung“, bemerkte Christel Pfeiffer voller Bewunderung nach einer Führung durch die frühgotische Elisabethkirche.
Noch am Nachmittag ging es weiter nach Eisenach. Dort stand am nächsten Tag ein Rundgang zu den Wirkungsstätten Martins Luthers auf dem Programm: Die Lateinschule, die der Reformator als 15jähriger Knabe besuchte, das Lutherhaus, wo er wohnte, das Lutherdenkmal vor dem Nikolaitor, aber auch der Bogen zur Kirchenmusik wurde geschlagen, die Luther seinerzeit begründete und im Wirken von Johann Sebastian Bach einen kreativen Höhepunkt erreichte. So besuchten die Reisenden selbstverständlich auch das Geburtshaus von Bach, verbunden mit einer historischen Instrumentenvorführung. „Die Musik Bachs berührt mich stets aufs Neue“, ließ Reiseteilnehmerin Birgit Hotop wissen. Auch die St. Georgenkirche, wo Bach getauft wurde und Luther als Kurrendesänger auftrat, streifte man auf dem Rundweg. Höhepunkt des Tages war der Besuch auf der Wartburg, wo nicht nur die Hl. Elisabeth im 13. Jahrhundert aufwuchs, sondern Luther nach dem Wormser Reichstag in Schutzhaft 1521 getarnt als Junker Jörg das Neue Testament in die deutsche Sprache übersetzte. Da mundete das „Luthermahl“ als Mittagessen in einer historischen Gaststätte ergänzend sehr gut zu den gesammelten Eindrücken.
Abgerundet wurde der Tag mit einem Ausflug durch den Thüringer Wald nach Schmalkalden mit einem dortigen Rundgang durch die denkmalgeschützte Innenstadt und Informationen zu den „Schmalkaldischen Artikeln“, die genau vor 475 Jahren Grundlage des evangelisch-lutherischen Glaubens werden sollten. Dort wurde schon einige Jahre zuvor der „Schmalkaldische Bund“ als Allianz der evangelischen Fürsten begründet. Das nahe gelegene Schloss Wilhelmsburg war früher Nebenresidenz der Landgrafen von Hessen und hat seit der Renaissancezeit kaum bauliche Veränderungen erfahren.

Am folgenden Tag reiste die Gruppe weiter nach Erfurt. Hier studierte Luther zunächst Jura, trat allerdings dann als Mönch in das Augustinerkloster ein. Eine Stadtbesichtigung führte dann auch über die weltberühmte Krämerbrücke zu diesem Kloster, das heute als evangelische Tagungsstätte dient. Der Dom, in dem Luther zum Priester geweiht wurde und die benachbarte Severikirche standen nach einer Mittagspause mit original Thüringer Rostbratwürsten ebenfalls auf dem Besichtigungsprogramm.
Auf der Weiterfahrt nach Leipzig lag als Station der Ort Stotternheim auf dem Weg. Dort geriet Luther 1505 in ein schweres Gewitter und legte das Gelübde ab, bei Überleben Mönch werden zu wollen. Ein Gedenkstein erinnert an diese Begebenheit. „Wie durch eher unbedeutende Ereignisse plötzlich weltgeschichtliche Veränderungen hervorgerufen werden können“, sinnierte der pensionierte Geschichtslehrer und Ortsbeigeordnete Nieder-Wiesens, Gernot Heck nachdenklich.

In Leipzig traf man auf die Feierlichkeiten des 800-jährigen Bestehens des Thomanerchores und der Thomaskirche. Hier führte Luther in seiner Pfingstpredigt 1539 die Reformation in Leipzig ein und hier wirkte Johann Sebastian Bach von 1723 bis zu seinem Tod 1750 als Thomaskantor. Doch zunächst verschaffte sich die Reisegruppe einen Eindruck von Leipzig mittels einer Stadtrundfahrt. „Das Völkerschlachtdenkmal hätte ich mir nicht so wuchtig vorgestellt“, betonte Anna Welter nach der Besichtigung dieser Gedenkstätte an die napoleonischen Kriege. Die martialische Größe der Figuren stieß auch bei anderen Teilnehmern auf Skepsis. Da berührte die russisch-orthodoxe Gedächtniskirche eher die Herzen der Mitfahrenden im Blick auf die große Zahl der Gefallenen in der Schlacht im Jahre 1813. Nach der Mittagspause spazierte man durch die Innenstadt von Leipzig: Das Grab von Johann Sebastian Bach in der Thomaskirche, das Goethedenkmal gegenüber von Auerbachs Keller, die Nikolaikirche als Ausgangspunkt der Leipziger Montagsdemonstrationen vor dem Fall der Mauer 1989, der Augustusplatz mit Gewandhaus und Opernhaus und das Neue Rathaus, Stätte der Disputation, an der Luther 1519 teilnahm, sollen hier stellvertretend für noch manch andere Sehenswürdigkeiten stehen. „Wir waren zur rechten Zeit am rechten Ort“, meinte Reiseteilnehmerin Ruth Trautwein im Blick auf das Thomaskirchenjubiläum, das tags zuvor der frischgewählte Bundespräsident Joachim Gauck in einem Festakt würdigte.
Anderentags war der authentischste Ort der Reformationsgeschichte im Besuchsprogramm vorgesehen: Wittenberg. Zuvor stimmte Pfarrer Kraft, wie an allen Tagen, die Reisegruppe mit besinnlichen Gedanken und passenden Liedern auf die Besichtigungsstätten ein. Der Rundgang unter fachkundiger Leitung begann am Lutherhaus, das frühere Klostergebäude, in dem Luther lebte und arbeitete mit dem Portal der Katharina von Bora (Luthers Ehefrau); er führte weiter am Melanchthonhaus vorbei zur ehemaligen Universität, wo Luther lehrte, zur Stadtkirche mit ihrem berühmten Bildaltar von Lucas Cranach. An die Cranach-Häuser und über den Marktplatz mit Rathaus führte der Weg zur Schlosskirche mit der 95-Thesentür und den Gräbern von Luther und Melanchthon. „Es ist schon etwas Besonderes, an Luthers Grab zu stehen“, brachte Margit Hinkel ihre Gefühle zum Ausdruck.
Nachmittags stand als Reiseziel Torgau auf dem Programm. Luther weilte nachweislich 40-mal in dieser Stadt, wo die Reformatoren sich auf den Reichstag in Augsburg 1530 vorbereiteten und als Grundlage für die Confessio Augustana die sogenannten „Torgauer Artikel“ verabschiedeten. Nach einem Gang über den Marktplatz besichtigte man das Sterbehaus von „Käthe“ Luther, geb. von Bora und anschließend ihre Grabstätte in der Stadtkirche. „Diese Frau hat ebenfalls Reformationsgeschichte geschrieben“ erklärte Stadtführerin Frau Henjes ehrfurchtsvoll. Nicht weit von der Stadtkirche liegt das Schloss Hartenfels, Residenz der sächsischen Kurfürsten und damals ein Zentrum der Reformation. Die dortige Schlosskapelle weihte Luther 1544 als ersten protestantischen Kirchenbau ein.
Ein Denkmal am Elbufer erinnert an die denkwürdige Begegnung von sowjetischen und US-amerikanischen Truppen im April 1945.
Der letzte Reisetag führte zunächst zu Luthers Geburts- und Sterbeort Eisleben. Dort empfing der Reformator höchstpersönlich die Reisegruppe (alias Stadtführer Torsten Lange-Klemmstein in historischem Kostüm). „Das ist ein wunderbarer Gag“, freute sich Mitfahrerin Christel Kantz. So zeigte „Luther“ der Gruppe zunächst sein Geburtshaus und seine Taufkirche St. Peter und Paul, wo er am 11.11.1483 ein Tag nach seiner Geburt auf den Namen des Tagesheiligen Martin getauft wurde. Über den Marktplatz mit dem Lutherdenkmal erreichten die Besucher die Andreaskirche, wo Luther bis kurz vor seinem Tode seine letzten Predigten hielt. Auch das sich nach neuesten historischen Forschungen im Hotel „Graf von Mansfeld“ befindliche Sterbezimmer Luthers stand auf dem Besichtigungsprogramm.
Die Weiterfahrt führte zum Schluss in das unweit gelegene Mansfeld, wohin die Familie kurz nach Luthers Geburt übersiedelte. Dort beendete die Besichtigung der Stadtkirche und der Besuch der Lateinschule und des Elternhauses Luthers die Bildungsreise vor der Heimfahrt Richtung Alzey.
„Das war mehr als nur Spurensuche“, resümierte Veronika Knobloch die Begegnung mit den Stätten der Reformationsgeschichte. „Luthers Gedanken sind mir im Blick auf unser heutiges Christsein ganz nahe gebracht worden“, bemerkte sie ergänzend. Auch die Reiseleiter Axel Guse und Tobias Kraft zeigten sich beeindruckt. „Wir hatten ein sehr dichtes, aber absolut interessantes Programm mit vielen nachhaltigen Begegnungen und äußerst aufmerksame Mitfahrer“, äußerte sich Guse zufrieden mit dem Verlauf und den Inhalten dieser Fahrt.

 

Rückblick Gemeindereise nach Dresden – Herrnhut – Görlitz – Breslau – Schlesien
vom 30. Oktober bis 5. November 2010


Begegnung mit der Vergangenheit - Aufbruch in die Zukunft

„Wir wollen und können das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, aber wir können mitwirken, wohin es sich in Zukunft bewegt, nämlich Richtung Versöhnung, Frieden, Freiheit und Toleranz in einem vereinten Europa“, erläuterte Pfarrer Tobias Kraft in einem Gespräch vor Abfahrt das Ziel dieser Reise. Zusammen mit Dekanatsbildungsreferent Axel Guse hatte er den Verlauf der Fahrt projektiert. Beiden gemeinsam ist, dass sie Vorfahren aus Schlesien bzw. Pommern haben. So erinnerten sie unter dem Motto der Reise: „Begegnung mit der Vergangenheit – Aufbruch in die Zukunft“ an 20 Jahre Deutsche Einheit, 65 Jahre Frieden in Europa nach Ende des 2. Weltkrieges und an 250 Jahre Nikolaus Graf von Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine. Nach einer Woche kehrten am 5.11.10 die 47 Teilnehmenden nun voller staunender Eindrücke über die Kultur und Natur der geschichtsträchtigen Orte zurück.
Erste Station war Dresden. Die wiederauferbaute Frauenkirche zog die Teilnehmer in Bann, verkörpert sie doch wie kein anderes Gebäude den Weg der deutschen Einheit und die Versöhnung zwischen einstigen Kriegsgegnern. „Ich bin überwältigt, wie schön diese Kirche von innen aussieht“, schwärmte Mitfahrer Helmfried Fröhlich nach dem Besuch des festlichen Reformationsgottesdienstes. Heinrich Steuerwald war noch angetan von dem Jubiläumskonzert am Vorabend: „Die Klangfülle dieses Chores - so etwas hört man nur ganz selten!“ Zum 5jährigen Weihefest wurde von F.M. Bartholdy die Sinfonie Nr. 2 „Lobgesang“ aufgeführt. Für Veronika Knobloch war die Besteigung der Kuppel und der Ausblick über die im Krieg so geschundene Stadt ein Höhepunkt der Reise: „Ich hätte es mir vor gut 20 Jahren nicht träumen lassen, hier einmal zu stehen!“ Eine Stadtführung brachte die weiteren Sehenswürdigkeiten Dresdens nahe: Kunstakademie – Brühlsche Terrasse – Fürstenzug - Hofkirche – Schloss – Zwinger – Semperoper.
Am Folgetag ging die Fahrt weiter durch die Lausitz nach Herrnhut auf den Spuren von Zinzendorf. Nach Empfang der Gruppe im Kirchsaal besuchte man den „Gottesacker“ mit dem Grab Zinzendorfs und den anderen historischen Grabsteinen. Ein kurzer Abstecher führte nach Berthelsdorf zum Zinzendorfschen Schloss, bevor die Schauwerkstatt der Herrnhuter Sternemanufaktur auf dem Programm stand. „Solch schöne Herrnhuter Sterne sollen auch bei uns zu Hause in Nack leuchten“, tat Horst Steinmann beim Kauf mehrerer Exemplare kund.
Vor der Ausreise nach Polen war noch eine Stadtbesichtigung in Görlitz vorgesehen. Nach Gang über den Untermarkt, am Rathaus vorbei, erreichte man den Flüsterbogen. „Ich kann gar nicht verstehen, wie das funktioniert“, schüttelte Wilhelm Bauer erstaunt den Kopf nach Ausprobieren der Flüstermethode. Das Biblische Haus auf dem Weg zur Neißebrücke verleitete zu einem kleinen Ratespiel hinsichtlich der biblischen Darstellungen auf der Fassade. Die direkt an der Neiße liegende Kirche St. Peter und Paul beeindruckte nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch die berühmte Sonnenorgel.
Am Abend erreichten die Reiseteilnehmer schließlich das Schlosshotel Stonsdorf nahe Hirschberg in Schlesien. Von dort aus führten in den nächsten Tagen Sternfahrten zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung. So war zunächst eine Fahrt nach Breslau vorgesehen. Die Geburtstadt von Dietrich Bonhoeffer zeigte sich geschäftig und pulsierend. Einzigartige Zeugnisse sakraler Kunst und spannender Geschichte galt es zu entdecken. Die Besichtigung führte über den Ring mit seinem historischen Rathaus und dem Schweidnitzer Keller zur Bonheoffer-Gedenkstätte vor der Elisabethkirche. Hier erinnerte Pfr. Kraft mit einer Betrachtung an das Leben und Wirken des im 3. Reich verfolgten Theologen. Die Aula der Leopoldina-Universität und die Gedenkstätte des schlesischen Mystikers Angelus Silesius lag auf dem weiteren Weg an der Markthalle vorbei zur Dominsel mit seinen eindrucksvollen Sakralgebäuden. Als Kontrast besichtigte die Gruppe zum Abschluss in Breslau die Jahrhunderthalle mit ihrer weltberühmten Kuppel.
Zurückgekehrt in das behagliche Schlosshotel Stonsdorf mit seinem wiedererstandenen historischen Ambiente des 18. Jahrhunderts, klang der Tag bei einem galanten Abendessen aus. Dabei durfte auch das Probieren des Echten Stonsdorfers, ein heilkräftiger Kräuterlikör, der früher vor Ort hergestellt wurde, nicht fehlen.
„Was hier erbaut wurde, ist unglaublich“, gab Erwin Edling beim Besichtigen der barocken Klosteranlage Grüssau am nächsten Tag seinem Staunen Ausdruck. Der Wallfahrtsort ist die größte barocke Klosteranlage Schlesiens. Eher bedrückend war die Stimmung in Kreisau beim Besuch des Gutes von Moltke. Die Teilnahme an der Widerstandsbewegung „Kreisauer Kreis“ im Dritten Reich bezahlten die meisten Aktivisten damals mit ihrem Leben. „Dieser Ort möchte als Begegnungsstätte die Gedanken und Wertvorstellungen von Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit dieser mutigen Menschen wach halten – eine Mahnung für uns!“ erinnerte Reiseführer Gerd Stübner u.a. an James von Moltke und Alfred Delp.
Ein weiterer Höhepunkt der Fahrt war im Anschluss der Besuch in der lutherischen Friedenskirche zu Schweidnitz. Pfr. Kraft erinnerte an das Wirken des ehemaligen dortigen Pfarrers Benjamin Schmolck und sein von ihm gedichtetes Lied „Tut mir auf die schöne Pforte“, welches die Gruppe vor Ort dann gemeinsam anstimmte. Reiseteilnehmerin Christa Dober erzählte mit bewegter Stimme aus den Jahren 1932-1946, als ihr Vater an dieser Kirche als Pfarrer amtierte und sie in Schweidnitz ihre Kindheit verbrachte. „Hier wurden meine Geschwister getauft und ich noch konfirmiert, bevor meine Familie die Heimat verlassen musste“.
Das Tagesprogramm endete mit der Rückfahrt, vorbei an Schloss Fürstenstein, der größten Burganlage Schlesiens.
Am nächsten Morgen führte Pfr. Kraft, wie zuvor auch, mittels der Herrnhuter Tageslosung und Gesangbuchliedern schlesischer Dichter in das geplante Besuchsprogramm ein. So war in Agnetendorf, oberhalb der Burgruine Kynast gelegen, die „Villa Wiesenstein“, Wirkungsstätte des naturalistischen Dichters Gerhard Hauptmann, erster Anlaufpunkt. „Mich hat Gerhard Hauptmann schon immer fasziniert, besonders sein Werk „Der Rote Hahn“, betonte Christel Pfeiffer auf dem Weg. Helmut Steuerwald war allerdings noch beeindruckter von der Landschaft und Natur des Riesengebirges, das übrigens auch den großen Dichter inspirierte.
Die luth. Holzstabkirche Wang in Krummhübel, ein im Wikingerstil Norwegens erbautes und hierher versetztes Gebäude faszinierte nach steilem Aufstieg mit ihrer schlichten Eleganz. Sie gehört zu einer der Hauptsehenswürdigkeiten des Riesengebirges am Fuße der Schneekoppe. Die Mittagspause im Gasthaus „Tirolerhof“ in Zillertal-Erdmannsdorf bei köstlichen Tiroler Leberknödeln erinnerte an die ins Riesengebirge im 19. Jahrhundert ausgewanderten ev. Tiroler, die ihrer Heimat auf Grund ihrer Konfession verwiesen wurden. Eine historische Ausstellung unter dem Thema „Glaube und Leid“ erinnert an jenes intolerante Geschehen. „Eine mit dem historischen Gasthof verbundene sehr gelungene Präsentation“ befand Reiseleiter Axel Guse. Bevor am Abend wieder das Hotel in Stonsdorf angesteuert wurde, „belohnte“ Reiseführer Gerd Stübner die bisherige Aufmerksamkeit der Gruppe mit einem Abstecher in die Kreisstadt Hirschberg. Nach einem Gang zum Ring konnte jeder noch individuell durch die schön wiederhergestellte Innenstadt bummeln.
Am letzten Tag galt es Abschied zu nehmen. „Ich nehme unheimlich viele Eindrücke mit nach Hause“, resumierte sogar der weit herumgekommene Reisebusfahrer Siggi Kiefer, bevor er die Teilnehmer in sicherer Manier wieder Richtung Westen nach Hause steuerte.

 

Rückblick Gemeindereise "Auf den Spuren des Apostels Paulus" in die Westtürkei

siehe unter www.ev-pfarrei-nieder-wiesen.de/2009/

 

Rückblick Gemeindereise "Auf den Spuren von Paul Gerhardt"

siehe unter www.ev-pfarrei-nieder-wiesen.de/2007/

kostenlose Counter bei xcounter.ch